Winter auf den Bermudas

Cap Bonavista

Es war ein Sonntag auf See so wie immer, dachte ich als ich zu meiner 08:00 – 12:00 Wache geweckt wurde. Okay, kein Laut von der Hauptmaschine zu hören, aber das war auf der Bonavista so gut wie normal, der tägliche Maschinenschaden einer der beiden Hauptmaschinen.
Der Matrose der mich weckte sagte zu mir, hey, zieh‘ dir Arbeitsplünnen an, wir setzen Segel. Ha ha ha, der älteste Witz, fast so gut wie der vom Kielschwein oder vom Kompassschlüssel. Da fall ich doch nicht rein, immerhin schon Jungmann und kein unerfahrener Moses. Also das leichte Sommer Bierpäckchen angezogen und rauf auf die Brücke. Oben angekommen sah ich schon verdächtig viele Leute an Deck und wurde gleich vom 3. Offizier angeraunzt wieso ich keine Arbeitsklamotten anhabe. Oooooops, sollte es doch wahr sein, wir setzen Segel. Yep, es war so. Unser Käptn „Pastor Behrens“ genannt, hatte die glorreiche Idee und da wir unsere Seewasserleitungen an Deck austauschen mussten hatten wir genug Stahlrohre um uns quasi zu einem Rahsegler zu machen.
Der Wind stand günstig und so konnten wir gen Bermuda segeln und die Kohle für einen Hochseeschlepper sparen.
Winter auf den Bermudas, Off-Season und so waren wir für die Einwohner so etwas wie eine kleine Sensation und auch der dort ansässige Honorarkonsul oder was auch immer er war, meinte uns, die Crew eines Deutschen Dampfers, einladen zu müssen. Was er nicht wusste war dass wir eine etwas ungewöhnliche Crew waren mit seltsamen Benehmen. Normalerweise ging der Käptn in Brasilien mit einem Pisspott und einer Flagge voraus in den Puff und wir tranken Cuba Libre aus dem Pott, was wir alle super lustig fanden. Als wir zum ersten Mal in den Winter nach Kanada fuhren veranstalteten wir auf Äquatorhöhe ein Kanada Probesaufen in Luke 1, eine auf -20 Grad heruntergekühlte Luke in der Gefrierfleisch gefahren wurde. Der Koch hatte angerichtet. Einen Eimer Grog, einen Eimer Glühwein, einen weiteren Eimer mit Eierpunsch, tja bei uns gab es eigentlich nur 2 Gefässe zur Wahl, entweder der Pisspott oder Eimer die in den Tropen dann natürlich mit Caipirinha gefüllt waren.
Okay, also alle die frei hatten in ihren neu gekauften Winterklamotten, Stiefeln und alles was dazu gehört bei 30 Grad nach vorn zur Luke 1 und ab ging die Lucie bei gemütlichen frostigen Temperaturen. Okay, die Eimer waren leider viel zu schnell alle, trotz der schicken Plünnen wurde es kalt. Also raus aus der Luke die Leiter hoch, raus aus dem Einstieg und dann…… Tja und dann lagen wir alle um den Einstieg gestapelt, schön warm angezogen bei 30 Grad unfähig uns zu bewegen. Die Wache auf der Brücke zeigte Erbarmen und schleppte uns nach und nach in unsere Kammern zurück.
Soviel zu diesem Thema.
To be continued

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